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Oliver Bartels und Kerstin Wundsam – Mein erstes MalOliver Bartels und Kerstin Wundsam
Mein erstes Mal

KEN. Ein Klient hat ein Thema rund um den Komplex Burnout. Ein ziemlich ausgebuchter Coach möchte den Termin mit dem Klienten »irgendwo dazwischen schieben«. Kein guter Start für das erste Mal. Worauf Coaches und ihre Klienten achten sollten, damit Coaching etwas verändern kann, darum geht es in diesem Buch von Oliver Bartels und Kerstin Wundsam.

 
 

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Coaching ist kein Geschäft, sondern eine Haltung. Diese Einstellung prägt den Inhalt des Buches »Mein erstes Mal«, egal ob es das erste Gespräch oder aber den Abschluss eines Coaching-Prozesses darstellt. So sollte der Coach wirklich Zeit für seine Klienten haben und hundertprozentig für ihn da sein.

Was Coaching alles verändern kann.

Eben weil Coaching eine Haltung ist, steht sie nicht nur dem professionellen Coach zu. Auch Führungskräfte – und das sind nicht nur Vorgesetzte, sondern meiner Meinung zum Beispiel auch Lehrer, Eltern, Trainer – können jenseits eines formellen Coachings diese Haltung leben. Im Idealfall geben sie keine Ratschläge, sondern leiten die Klienten über Fragen zu Lösungen an. Führungskräfte wie professionelle Coaches achten vor allem auf den Prozess und müssen sich dabei weniger um den Inhalt kümmern. Der ist dem Klienten innerhalb seiner Lebensumstände ohnehin vertrauter.

Dass das möglich ist, zeigen Beispiel zu »blinden«, inhaltsfreien Coachings, wenn ein Coach eine ganze Gruppe über Fragen anleitet, deren Mitglieder jeweils unterschiedliche Themen bearbeiten – und dabei tatsächlich zu Lösungen kommen. Dieses Bild vom »lethologischen Arbeiten« finde ich sehr schlüssig, auch wenn es immer wieder vorkommen mag, dass die eigene Neugier sich doch zu sehr in den Vordergrund stellt. Die hohe Kunst des Coachings aus dem »Nicht-Wissen« heraus ist eine dauernde Herausforderung, ein Weg statt ein Ziel - für den Coach.

Die Grenzen zwischen Coaching und anderen Formen der Beratung sind indes fließend. Oliver Bartels und Kerstin Wundsam sind dagegen ziemlich klar: »Wenn Supervision drin ist, nennen Sie es nicht Coaching. Wenn Ratschläge drin sind, nennen Sie es nicht systemisch-konstruktivistisches Coaching. Wenn Psychotherapie drin ist, nennen Sie es nicht Coaching.« Auch ein One-Night-Stand sei schließlich keine Ehe, und man sollte die Ehefrau auch nicht Mutti nennen.

Die Spielregeln für ein gelungenes Coaching finde ich in diesen Punkten gut zusammengefasst.

  • Ein Coaching-Prozess braucht stets klare Ziele.
  • Coaching braucht keinen Expertenratschlag, wenn Menschen alles zur Lösung in sich tragen.
  • Coaching brauch keinen Expertenratschlag, wenn Menschen ihre Situation einzigartig (für uns nicht nachvollziehbar) wahrnehmen und verarbeiten
  • Die Wege zur Lösung und alles, was dafür nötig ist, entwickelt der Coaching-Klient selbst.

Das klingt fast schon nach Maria Montessori: »Hilf mir, es selbst zu tun.« Tatsächlich geht Coaching noch weiter: »Hilf mir, die Lösung selbst zu entdecken, die ich dann selbst tun werde!« Schon Ratschläge, die der Coach dabei gibt, könnten sind Klienten mehr belasten, als dass sie zur Lösung beitragen.

Und wie soll ein erfolgreiches Coaching enden? Sollen wir unser Klienten also tatsächlich fragen, ob sie ihre Lösungen aus dem Coachingprozess umgesetzt haben?

Auch die Neugier auf das Ergebnis eines Coachings unterliegt der inneren Haltung. Wenn der Klient wirklich die volle Verantwortung für den Prozess hat, dann sollten wir als Coaches unsere Neugier überwinden und die Rückmeldungen freiwillig sein lassen – als Angebot gewissermaßen. In meiner eigenen Praxis hat sich gezeigt, dass manche Klienten durch ein gelungenes Coaching ihr Problem schlichtweg vergessen können. Das Ergebnis allein beim Klienten zu lassen, ist eine Frage des Respekts und der Wertschätzung.

»Mein erstes Mal« ist ein Buch mit einer gewissen Dauer. Selbst gestandene Coaches sollten sich ab und zu daran erinnern, dass ihr erstes Mal vielleicht lange zurückliegt, für ihre Klienten dieses Coaching aber eben genau das erste Mal sein kann. Oliver Bartels und Kerstin Wundsam, die diese Texte für ihr Buch zusammengetragen haben, beschreiben die Perspektiven des Coaches ebenso wie die des Klienten. Sie bieten einen gelungenen Leitfaden rund um eine Haltung, mit der Coaches vieles verändern können.

Kein Klient kommt ins Coaching, wenn er nicht wirklich einen Bedarf an Veränderung hat. Trotzdem können Coaches relativ entspannt bleiben, wenn sie sich bewusst sind, dass die Lösung im Klienten selbst liegt und er damit auch die Verantwortung für das Ergebnis trägt. Hohe Professionalität als Coach zeichnet sich dadurch aus, dass man seinem Klienten gegenüber deshalb nicht gleichgültig wird, sondern ihn verantwortungsvoll bei der Lösung begleitet.



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