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Panfred Poser – Der Placebo-Effekt Manfred Poser
Der Placebo-Effekt

KEN. Nicht schlecht. Um nicht zu sagen: Ziemlich gut! Manfred Poser präsentiert uns heilsame Placebos und damit Medikamente, in denen faktisch nichts drin ist, außer die Nachricht, dass man selbst stets seine beste Apotheke ist.

 
 

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Manfred Poser will damit niemanden von ernsthaften und Lebens erhaltenden Präparaten abhalten. Dabei bewirkt die Pharmazie mit Placebo-Präparaten, von denen der Patient im Extremfall gar nichts weiß, die gleichen Effekte wie mit vielfach getesteten, chemisch einwandfrei durchgewunkenen Tabletten, den sogenannten Verums, weil wirklich was drin ist. Alles Humbug also?

Wie die Seele den Körper heilt

Nein! Eher ein Hinweis darauf, dass die Einstellung des Kranken zu seiner Krankheit und zum Medikament eine bedeutende Rolle für die Heilung spielt. Und dass der Arzt das eigentliche Ingrediens ist, das den gewünschten Effekt bewirkt. Präsentiert er sein Mittelchen auf eine überzeugende Art und Weise, kann er damit Leben bewirken – oder das Gegenteil.

Ich finde es recht beeindruckend, dass jemand stirbt, der gerade seinen Tod bringenden Tumor losgeworden ist, nur weil ihm jemand eröffnet: »Sorry, das Mittel gegen den Tumor war aus Versehen. Es ist eigentlich gegen Grippe gedacht!«

Manfred Poser macht die Placebos nicht runter. Er ordnet sie (kultur-) historisch, philosophisch und psychologisch ein. Damit macht er nicht notwendigerweise Mut. Wird mir also mein Arzt das nächste Mal ein Placebo oder ein Medikament mit »nachgewiesenen« Wirkstoffen verschreiben? Hat er aufgrund seiner Persönlichkeit die Macht, meinem Placebo Heilkräfte einzuhauchen? Oder stümpert er so sehr, dass er Wirkungen, die naturwissenschaftlich gesehen eintreten müssten, sogar neutralisiert oder ins Gegenteil verkehrt?

Placebo bedeutet, dass einem etwas gefällt. Wie wäre es mit einer blauen Pille und anschließend der heißesten Nacht ever? Was, wenn die Betörte am nächsten Morgen beim Anblick der Schachtel erkennt, dass sie keineswegs die Ursache des erotischen Techtelmechtels war?

Manfred Posers plädiert mit »Der Placebo-Effekt« dafür, dass wir mehr an uns selbst glauben, wenn es um Heilung geht. Eine Tablette verändert weder unsere Arbeitsbedingungen, noch erzieht sie unsere Kinder oder ersetzt sie ein Gespräch mit unserem Lebenspartner oder unserer Lebenspartnerin. Sie ändert auch unsere übertriebenen Trainingspläne und Ziele für das Sportstudio nicht.

»Der Placebo-Effekt« könnte uns allerdings daran erinnern, was Deepak Copra, der US-amerikanische Schulmediziner mit indischen Wurzeln sagte. Unser Körper ist nach der Lehre des Aryuveda in der Lage, jede chemische Substanz selbst herzustellen, die uns heilt. Das verschiebt unseren Fokus möglicherweise von einer Krankheit, die »von außen« auf Krankenschein und Arbeitsunfähigkeit (AU) behandelt wird, zu der Faszination, selbst zur eigenen Heilung beitragen zu können.

Die Seele heilt den Körper – das ist eine wichtige Aussage nach Manfred Poser, und sicher nicht zum ersten Mal nach ihm. Er ist kein Mediziner, aber er rechercheriert als gelernter Journalist in den Grenzgebieten der Psychologie und Psychotherapie. Vielleicht ist Dank des Placebo-Effektes, den er hier durchleuchtet, jedoch mehr Gesundheit aus uns selbst heraus möglich als wir üblicherweise denken. Und vielleicht verpflichtet uns die Relativität des Verums und des Placebos zu mehr Selbstverantwortung und Selbstbewusstsein, wenn es um unsere Gesundheit geht.

Ich finde »Der Placebo-Effekt« von Manfred Poser in diesem Sinn lesenswert. Dass er meine kritische Haltung gegenüber Medikamenten bestärkt hat, ist ein nützlicher Nebeneffekt – und ganz sicher kein Placebo.


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